Quiet Quitting

Und der feine Unterschied zur inneren Kündigung

Das Phänomen des Quiet Quittings wird allzu häufig mit dem Konzept der inneren Kündigung gleichgesetzt – nicht zuletzt erinnert das Wort Quitting an das Ausscheiden aus dem betrieblichen Kontext; der Zusatz quiet an die innere, stille Überzeugung, den Betrieb verlassen zu wollen. Im Gegensatz erfüllen Mitarbeiter beim Quiet Quitting ihren Job aber zu 100 Prozent. Und leisten damit genau das, wofür sie bezahlt werden.

Starke Aufmerksamkeit erfährt der Begriff durch den amerikanischen TikTokker Zaidlepplin. In seinem 17-sekündigen Video verkündet er: „Ich habe jüngst den Begriff Quiet Quitting gelernt. Du kündigst nicht deinen Job, arbeitest aber nicht mehr als dein Vertrag vorsieht. Arbeit ist nicht dein Leben.“ Und geht damit viral.

Denn die Arbeitswelt hat sich in jüngster Vergangenheit drastisch verändert. Der Wandel der Arbeitsplatzkultur führt vermehrt zu der Denkweise, die eigenen Bedürfnisse und die Idee eines erfüllten Lebens über die Anforderungen des Arbeitsplatzes zu stellen. Zaidlepplin trifft den Nerv der Zeit. Denn in dieses Konzept reiht sich das auch Phänomen des Quiet Quitting. Es bedeutet, nur genau das zu tun, was der Job verlangt – und nicht mehr. Arbeitnehmer erscheinen zwar weiterhin zur Arbeit, halten sich aber strikt an die Anforderungen ihrer Stelle. Sie helfen etwa nicht mehr bei zusätzlichen Aufgaben oder checken E-Mails außerhalb ihrer Arbeitszeit. Es geht darum, Grenzen zu setzen. Das schließt Produktivität und Motivation nicht aus – aber eben nur im vereinbarten Rahmen. Quiet Quitting wird daher auch als „Dienst nach Vorschrift“ bezeichnet.

Und grenzt sich damit stark vom Konzept der inneren Kündigung ab: Mitarbeitende sind unmotiviert, Arbeit fühlt sich für sie nach einer Qual an, sie erledigen nur noch das Allernötigste, mental haben sie bereits mit ihrem Job und ihrem Arbeitgeber abgeschlossen – und innerlich gekündigt. Quiet Quitter hingegen sind motiviert, ihre Arbeit macht ihnen Spaß.

Die Ursachen des Quiet Quitting können grundverschieden und sehr individuell sein. Arbeitsstress gilt zumeist als einer der Hauptgründe: Straffe Deadlines, ein hohes Arbeitspensum oder ein zu enger Entscheidungsfreiraum können beim Mitarbeiter die Neigung zu Quiet Quitting auslösen. Was hilft: Stressfaktoren identifizieren und entsprechend darauf reagieren – individuell und zielgerichtet. Auch die Entwicklung hin zu einer modernen und emphatischen Führung kann helfen. Eine Arbeitsatmosphäre, in der sich Mitarbeiter wertgeschätzt und gehört fühlen, ausgelöst durch Empathie und gegenseitiges Vertrauen. Dies stärkt die Mitarbeiterbindung und erhöht die wahrgenommene Teilhabe des Mitarbeiters am Geschehen – und damit auch ihre Motivation. 

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